Gesundheit von Personen mit Migrationshintergrund und Geflüchteter

Ausschnitt der Beine einer Person, die entlang eines Straßenpfeils geht

Projekt: Erklärungsmodelle Posttraumatischer Belastungsstörungen von Geflüchteten aus Subsahara Afrika – Eine Methodentriangulation

Geflüchtete aus Subsahara Afrika gelten als Hochrisikogruppe für Posttraumatische Belastungsstörungen (PTBS). Für die erfolgreiche Behandlung einer PTBS ist die Kenntnis der subjektiven Erklärungsmodelle wichtig. Diese können im interkulturellen Kontext variieren. So werden in Kulturen Subsahara Afrikas vielfach auch religiös-spirituelle oder übernatürliche Erklärungen angeführt, die westlichen Kulturen eher fremd sind.

Diese Studie untersucht Erklärungsmodelle der PTBS von Geflüchteten aus Subsahara Afrika durch die Triangulation einer quantitativen mit einer qualitativen Methodik. Hierzu wurde 2016/ 2017 eine Fragebogenstudie mit 120 Geflüchteten gepaart mit einer Interviewstudie (nach Herkunftsland gesampelte Focus-Groups; N = 25) durchgeführt.


Projekt: Entwicklung und Evaluation einer Informationsveranstaltung für in der Flüchtlingshilfe tätige Personen

Die hohe Zahl der haupt- und ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer in der Flüchtlingsarbeit in Deutschland zeigt das große Engagement und Interesse dieser Personengruppe. Da Geflüchtete vermehrt unter psychischen Symptomen und Störungen leiden, brauchen Helferinnen und Helfer Informationen dazu, wie sie mit psychisch belasteten Geflüchteten umgehen und diese unterstützen können.

Vor diesem Hintergrund haben wir eine kurze psychoedukative Veranstaltung entwickelt, in der haupt- und ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern Wissen über psychische Störungen, über kulturelle Besonderheiten im Krankheitskonzept, und über die Beantragung einer Psychotherapie vermittelt wird, und Tipps für den konkreten Umgang mit belasteten Geflüchteten gegeben werden.

Genauere Informationen zur Entwicklung und Evaluation finden Sie in Mewes et al. (2017):  Entwicklung und Evaluation einer Informationsveranstaltung für in der Flüchtlingshilfe tätige Personen. Zeitschrift für Psychiatrie, Psychologie und Psychotherapie 65(3), 167-174.


Projekt Da.Sein: Psychotherapeutische Erstversorgung von AsylbewerberInnen in Hessen

Das Ziel von Da.Sein ist es, die psychologische Grundversorgung für AsylbewerberInnen in Hessen zu verbessern und die psychologischen Folgen von Flucht und Asylsuche wissenschaftlich zu untersuchen. Das Projekt lief von 2013-2015 und konzentrierte sich auf folgende Schwerpunkte: 1. Diagnostik möglicher psychischer Störungen und die längsschnittliche Untersuchung des Verlaufs der psychischen Gesundheit bei Asylsuchenden zu Beginn ihres Aufenthaltes in Deutschland; 2. Angebot einer psychoedukativen Gruppe, die über mögliche Folgen von und den Umgang mit traumatischen Erlebnissen und schwierigen Lebenssituationen, sowie über das deutsche Gesundheitssystem informiert; 3. Angebot von Therapieplätzen zur Behandlung von Traumafolgestörungen; 4. Vernetzung von lokalen Akteuren im Bereich Flucht und Asyl.

Förderung durch:

  • Psychotherapie-Ambulanz Marburg (PAM)
  • Dieses Projekt wird aus Mitteln des Europäischen Flüchtlingsfonds kofinanziert (EFF-12-775)

Literatur

  • Mewes R., Friele B., E. Bloemen (submitted). Psychometric Evaluation of the Protect Questionnaire: An Easy to Use Instrument to Early Detect Posttraumatic Symptoms among Asylum Seekers
  • Mewes R., Breidenstein A., Strelow A.E., Reinacher H., Kowarsch L., Nater U.M. (2017). Entwicklung und Evaluation einer Informationsveranstaltung für in der Flüchtlingshilfe tätige Personen. Zeitschrift für Psychiatrie, Psychologie und Psychotherapie 65(3), 167-174
  • Mewes R., Reich H., Skoluda N., Seele F., Nater U.M. (2017). Hair cortisol concentrations in recently fled asylum seekers in comparison to permanently settled immigrants and non-immigrant Germans. Translational Psychiatry, 7,e1051; [doi]
  • Grupp F., Nater U.M., Mewes R. (2017). Erklärungsmodelle der Posttraumatischen Belastungsstörung von Geflüchteten aus Subsahara Afrika – Eine Methodentriangulation. In: J. Binder, B. Kleim (Hrsg.) Trauma & Gewalt. Trauma-Erinnerungen verstehen und behandeln. Abstractband der 19. Jahrestagung der Deutschsprachigen Gesellschaft für Psychotraumatologie (DeGPT). Stuttgart: Klett-Cotta.
  • Mewes R., Kowarsch L., Reinacher H., Nater U.M. (2016). Barrieren und Chancen zur psychotherapeutischen Versorgung von Asylsuchenden – Eine Befragung niedergelassener Psychotherapeuten in Mittel- und Nordhessen. Psychotherapie, Psychosomatik, Medizinische Psychologie 66, 361-368.
  • Demir S., Reich H., Mewes R. (2016). Psychologische Erstbetreuung für Asylsuchende - Entwicklung und Evaluation einer Gruppenpsychoedukation für Geflüchtete. Psychotherapeutenjournal 2/2016.
  • Mewes R., Reich H. (2016). Beratung nach Flucht und Migration. Ein Handbuch zur psychologischen Erstbetreuung von Geflüchteten. Potsdam: WeltTrends. ISBN 978-3-945878-12-5
  • Reich H., Bockel L., Mewes R. (2015). Motivation for psychotherapy and illness beliefs in Turkish immigrant inpatients in Germany: Results of a cultural comparison study. Journal of Racial and Ethnic Health Disparities 2 (1): 112-123. DOI 10.1007/s40615-014-0054-y
  • Glaesmer H., Wittig U., Brähler E., Martin A., Mewes R., Rief W. (2011). Health care utilization of immigrants and the native population – a population based study in Germany. International Journal of Public Health 56(5): 541-548.
  • Mewes R., Rief W., Martin A., Glaesmer H., Brähler E. (2010). [Somatoform symptoms, anxiety and depression in migrants from Turkey, East-Europe and the former Soviet-Union]. Zeitschrift für Psychiatrie, Psychologie und Psychotherapie 58(3): 165-171
  • Mewes R., Rief W. (2009). [Are somatoform complaints and causal attributions in Turkish migrants caused by their cultural background or the migration itself?] Zeitschrift für Medizinische Psychologie 18: 135-139