Psychometrische Überprüfung von Messinstrumenten im interkulturellen Vergleich

Itemcharakteristik-Kurve eines mittels Partial-Credit-Modell geschätzten Items

Vergleichende interkulturelle Studien zu psychischen Störungen stellen besondere Anforderungen an die verwendeten Erhebungsinstrumente. Um die Ergebnisse vergleichender Studien richtig interpretieren zu können ist Voraussetzung, dass das eingesetzte Messinstrument in den untersuchten Gruppen das Gleiche misst. Bei bestimmten Fragestellungen kann dies durch „Messinvarianz“ überprüft werden. Ist Messinvarianz nicht erfüllt, kann dies neben methodischen Problemen auch kulturelle Unterschiede widerspiegeln, so dass je nach Fragestellung Messinvarianz unterschiedlich zu fordern und interpretieren ist.

Vor diesem Hintergrund wurde bereits in zwei Studien Messinvarianz wichtiger klinischer Instrumente (PHQ-9, PHQ-15, und SOMS-2) bei Migranten und Deutschen ohne Migrationshintergrund untersucht (Mewes et al., 2009, 2010). Auf der Basis dieser ersten Untersuchungen sollen weitere Überprüfungen, auch unter Verwendung alternativer statistischer Verfahren (z.B. Item-Response-Verfahren), durchgeführt werden.


Literatur

  • Reich H., Rief W., Brähler E., Mewes R. (submitted). Cross-cultural validation of the German and Turkish versions of the PHQ-9: An IRT approach.
  • Mewes R., Christ O., Rief W., Glaesmer H., Martin A., Brähler E. (2010). Sind Vergleiche im Depressions- und Somatisierungsausmaß zwischen Migranten und Deutschen möglich?: Eine Überprüfung der Messinvarianz für den PHQ-9 und PHQ-15. Diagnostica, 56, 230-239.
  • Mewes R., Rief W., Martin A., Glaesmer H., Brähler E. (2010). Somatoforme Symptome, Angst und Depression bei Migranten aus der Türkei, aus Osteuropa und aus der ehemaligen Sowjetunion. Zeitschrift für Psychiatrie, Psychologie und Psychotherapie, 58, 165-171.
  • Mewes R., Christ O., Rief W. (2009). Ein Vorgehen zur Überprüfung psychometrischer Kennwerte in der Migrationsforschung. Klinische Diagnostik und Evaluation,2, 106-118.